Materialbeschaffung

Das erste MTB

Ich wollte also ein Fahrrad haben und dieses musstesolide 150kg überleben, dauerhaft. Nach einiger Recherche im Web bekam ich zum Glück einen Tipp für einen kleinen und beschaulichen Laden bei mir auf dem Land. So kam ich dank einer Empfehlung zu KM Bikesport

Die Beratung ist fair, nicht auf verkaufen um jeden Preis und auf das hochpreisige Produkt ausgelegt, sondern hier wird sich wirklich gekümmert. Sich mit meiner Größe auseinander und suchte eine passende Geometrie, diverse Probefahrten mit Modellen aus dem Laden folgten. Das Gewicht, eine nicht zu unterschätzende Und nachdem ich nochmal klar betont hatte, es kommt mir mehr auf Qualität an, als auf den schnellen Euro, war die Wahl auf das AMR2975 gefallen.

Das erste Gravel Bike

Ein Hirsch und ein Walross – seltenes Aufeinandertreffen zweier seltener Exemplare…

28.03.2018 – in meiner rechten Hand befindet sich die eine Maus aus Glas, vor mir flimmern auf 27 Zoll gekörnte Aufnahmen von Wäldern und Rädern… Mit dem linken Zeigefinger tippe ich bei Anzahl der Flaschenhalter eine zwei ein und bestelle. Was ich hier mache? Canyons neusten Streich, das Grail bestellen und entgegen aller Meinungen glücklich werden. Dazu später mehr. Besprechen wir erstmal die Lage der Nation zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Das Grail CF ist die (eigenwillige) Koblenzer Interpretation von Gravel. Und um zu verstehen, warum es diesen Bericht gibt, gehen wir noch ein paar Tage weiter zurück.

Einmal mehr hatte einer dieser heldenhaften Piloten von motorisierten Vierrädern meiner Radausfahrt ein schnelles und jähes Ende bereitet, in dem ich mich kurzerhand auf einem leuchtend rot gepinselten Radweg wieder fand. Rad kaputt, Mensch ganz, also ist doch klar, was nun kommt. Ein neues Rad musste her. Der werte Herr Autofahrer hatte ganz einfach eindeutig mehr McDonalds als StVO im Kopf 😉

In der Schlacht verloren gegangen waren also ein Helm und ein Endurace AL 6.0 – mein treuer Begleiter für die Wintertage. Anderer Ort, ein paar Tage früher. Canyon stellt das Gravelbike Grail am 15.03. vor und wird direkt mal bis auf Anschlag von der Web-Fahrradgemeinde gebashed, gesteinigt und nach dem teeren gefedert und nochmal geteert und nochmal gefedert. Was bitte war hier passiert? 

Man muss sich einfach folgendes vorstellen. Ein Rennrad mit Scheibenbremsen und völlig neu gedachtem und exotischem Lenkerkonzept wurde entworfen, einer daraus resultierenden besonderen Geometrie des Rahmens, irgendwo zwischen Komfortmodellen und Look Rahmen Optik gebaut, dass sich auf der Straße als auch unbefestigten Feldwegen, Schotter und sanften Trails wohl fühlt. Die carbongewordene Singularität für alle Realitätsverweiger, Früher-war-alles-besser-Sager und Rückwärtsgewandte. Oder wie man sie (in erschreckend hohem Maße) auch nennen kann: Rennradfahrer.

Es flackert öfter in meinen Beiträgen auf, doch immer wenn ich glaube, es ist mal gut, kommt da eine neue Stufe der Eskalation. So auch hier. Das Teil war frisch vorgestellt, somit nur auf Fotos zu begutachten und sicherlich von jedem selbsternannten Velo-Experten hunderte Kilometer getestet -ha ha-, da gab es schon zig Meinungen im Web.

Geometrie hier sinnlos da zu gestreckt mimimi, Lenker sieht sch**** aus und bringt bestimmt nix, auffallen um jeden Preis, doofes Canyon, machen die nur aus Marketing Gründen usw. Es folgten unmittelbar Photoshop Battles, die den Lenker kurzerhand zum Heizkörper, Blumenkastenhalter und anderen Dingen machten. Doch es war aus objektiver Sicht eines schnell klar. Die Innovationsverweiger dominieren die Meinung über das Bike. Das machte mich per se schon neugierig. Denn üblicherweise schreien etablierte nur im Fall von echter Konkurrenz besonders laut.

Kommen wir also zurück zur Eingangssequenz. Mein altes Rad war Schrott, sprich ein neues musste her. Es sollte ein Canyon sein, es sollte maximal flexibel sein, was den Untergrund betrifft, und natürlich Spaß machen – Order complete. Ich bestelle das Teil kurzerhand in 2XL. Canyon hat aus meiner Sicht bisher Features immer der Sache geschuldet sonderbar gestaltet (Stichwort Inflite Knick), der Preis ist wie immer fair, große Rahmen haben sie Jungs sowieso. Und sie trauen sich auch mal mit 120kg Rahmengewichtsfreigabe ums Eck. 

Im Mai holte ich das Rad vor Ort ab und möchte nun ein paar subjektive Worte zum Fahrverhalten sagen. Das Rad betreibe ich mit zwei LRS, jeweils der C1800 Spline 23 Serie von DT Swiss. Einmal mit Standard Schwalbe One Bite Bereifung ab Werk und ein weiterer mit Conti 4 Season in 32mm breite.

Hieraus ergibt sich für Urlaube eine phantastische Kombination, mit dem Rad schnell auf der Straße und auch schnell im Gelände zu sein. Der berühmte Lenker fasst sich nicht nur angenehm, durch die Erhöhung ermöglicht er in der typischen Oberlenkerhaltung auch eine aufrechtere Sitzposition. Die Laufruhe des Rades macht es ohne weiteres möglich, diese Griffposition auch beizubehalten, wenn der Untergrund lose wird. Und dort spürt man den berühmten Flex. Schläge dämpft eine Konstruktion dieser Art natürlich nicht weg, doch reduziert Sie die Vibrationen auf ein kaum spürbares Mindestmaß. Wird es zu ruppig, ab in den Unterlenker. Durch die konstruktionsbedingte Unterbrechung im Bügel umgreift man sozusagen mit dem Daumen über der Strebe und den Fingern darunter. Es fühlt sich an, als ob man sich im Rad vergreift und gibt einem mehr das Gefühl, mit dem Rad verbunden zu sein. Nebenbei ist der Lenker Blocksteif und eignet sich für harte Antritte oder ziehen beim Ortsschildsprint. Das Grail ist daneben ein äußerst bequemes Rad, welches hier und dort durch Flex besticht, obwohl ich gerade bei der Sattelstütze auf eine 400er aus Alu zurückgreife. Ebenfalls kann ich den Fizik Sättel nicht bewerten, da ich einen SQLab 612 fahre. 

Kritikpunkte? Die Lackierung empfinde ich als extrem anfällig für ein Rad, dass seine Bestimmung im Wald und Off Track sucht.

Eisdielenfaktor?

Es ist preislich das günstige Rad meiner drei und hat den größten Aha Faktor. Insbesondere viele nicht Radler sprechen mich sehr häufig auf das Design, auch wenn man im Wald unterwegs ist. Jüngere finden es einfach nur „geil“. Naja, und ich habe den perfekten Ganzjahresbegleiter gefunden, mit dem ich auch den Ötztaler 2018 gefahren und gefinished haben.

Alltagsnutzen?

Die Runde zum Fitnessstudio für die Krafteinheit über Landstraße, Feldweg und Sand? Schnell mal zum Bäcker? Sonntags zwei Stunden im Wald spielen? Bei Schnee auf die Straße? Im Urlaub nicht genau wissen wie die Straßen sind und trotzdem radeln wollen? Mit einem Bike dieser Gattung kann euch das künftig egal sein, sondern ihr radelt einfach drauf los.

Ich mag Gravel Bikes gerne, und das Grail macht seine Sache wirklich toll..

Ciao, euer

Bergwalross

Laufräder

Oder… der mit dem Wolf tanzt…

Das Grauen für Fahrer meines Schlages, die sich den Rennrädern verschreiben haben, hat einen Namen. SYSTEMLAUFRAD.

Wisst ihr, da geht man gut gelaunt und frohen Mutes ins Web oder in den Radladen. Dort findet man natürlich schicke Räder, mit ordentlichen Komponenten und meinem Lieblingsthema. Also kauft man sich zufrieden ein Rad der Klasse 1k€, aufwärts – natürlich ist immer noch mehr möglich. Rahmengröße 65 verfügbar? Ja, um dann festzustellen: Systemlaufradschrott (S-LRS) vom Feinsten. Keine Frage, die Teile haben ihre Berechtigung. Bei leichten Fahrern, bei leichten Fahrern und vor allem bei LEICHTEN Fahrern. Nur wer in Gottes Namen hat sich diese von trostlosen Maschinen mit ordentlich Kunststoff rund um die Naben herum dekorierten Teile ausgedacht. By the way, hier wird es subjektiv… aber spaßig! Klassifizieren wir mal diese S-LRS. Einstiegsklasse (Mavic Aksium), Mittelklasse (Mavic Kysirium) oder höhere Klassen (ab Cosmic Carbon). Öhhhh Benjamin, hey! Nur Mavic, was ist da los? Nichts, aber es steht exemplarisch für die ganze Branche. Und dient als Orientierung. 

Unterschiede liegen natürlich im Material (Alu, Carbon, beides), Felgenhöhe, Naben, Speichen usw. Aber wirklich legendär ist, dass diese Glanzleistung von Ressourcenverschwendung Gewichtsfreigaben bis 90kg, oder wenn es ganz gut läuft auch mal 100kg, aushalten – Systemgewicht natürlich. Nicht, dass die Werte für die Hühnen ja sowieso schon ein Witz sind. Es gibt nach meiner zugegeben nicht empirisch erhobenen Studie eine ganze Menge von leicht übergewichtigen Radler, die diese Gewichtsgrenze reißen.

Also, was macht man dann? Denn eigentlich ging es um den Wolf, das Walross und so… 

Webrecherche. Und da fällt auf. Marchisio baut mit den Solida X120 etwas von der Stange, Campa Zonda sollen ganz gut sein und ach, sowieso die Rigida DP18 Felge geht immer… 

Aha… für das World wide Web, dass mir zu spannenden Themen wie Gina-Lisa und ihr drittes angeblich geleaktes Sextape (lasst den extra Tab im Browser zu, gibt es nicht ihr Lustnudeln ;D) Millionen von Einträgen liefert ein echt magere Ausbeute.

Und dann ist da dieser Typ, der Felix heißt. Gäbe es einen Fischmarkt für Fahrräder, Felix hätte wohl den Stand mit der Menschentraube und den begeisterten Zuhörern. Markige Sprüche, rasiermesserscharfes zerlegen der unzähligen Semi Experten, und ein bombastisches Fachwissen. Nun, kann der Kerl auch liefern? Ja, er kann. Und wie. Aber erstmal telefonieren.

Und damit war auch schnell klar? Mein Traum nach einer hohen Carbonfelge mit Bremsflanke aus Alu ist geplatzt. Die Bremseigenschaften von Carbon werden aus unerfindlichen Gründen ja gerne bis zur Unerträglichkeit schön geredet. Diese Personen erinnern mich irgendwie an Eltern, die verzweifelt probieren schön zu reden, aus welchem intellektuellen Grund ihr Kind gerade die Darmausscheidung eines Hundes in die Hand genommen hat. Richtig, da gibt es keinen. So wie das Kind das nicht machen soll, bremsen Carbonflanken schlecht. Auf Abfahrten, bei Nässe, generell. Damit möchte ich nicht die Berechtigung von Carbon anzweifeln, aber sie sind eben nur mit Scheibenbremsen (heute habe ich ein Talent, alle Zündstoffthemen in einen Artikel zu packen ;D) für den Privatmann sinnig…. mimimi Benjamin… Profis fahren auch damit. Tun sie, stimmt. Mit einem bezeichnenden Unterschied. Der Profi verheizt wohl >5 Laufradsätze der 5k€ Klasse pro Jahr, während das für uns Privatleute schon einen Insolvenztatbestand bedeuten könnte.

Der Wolf, zurück zum Thema. Felix war dann recht schnell bei der Sache, DT Swiss Semi aero kannst du haben, Naben, wenn auch teuer von Chris. Das Teil hält… und läuft… und rennt… und ist stabil… 

Acht Wochen später (probs an DT Swiss für Drama in der Lieferkette) war das Paket da. Und nun ist bei mir die Biene los. Bei weitem nicht der Leichteste (32/36 Einspeichung), aber so unfassbar stabil, laufruhig, dass ich sogar immer wieder auf Jedermannrennen angesprochen werde, was das ist.

Mein Fazit. Lasst euch was schönes Bauen und ihr habt wirklich Freude. Natürlich kann ich das im Speziellen über Felix sagen, der dieses Lob durch eine Weltklasse Qualität verdient hat, aber alles andere macht nur Ärger.

Euer 

Bergwalross

Das erste Rennrad

Ich kaufe mein erstes Rennrad – das wird ein Spaß, dachte ich zumindest…

Die letzte Woche des Februars in 2014 schwang sich auf, dem März „Hallo“ zu sagen. Mein guter Freund Jan, ein waschechtes Nordlicht von Sylt, der selbst Hamburg als den Süden der Republik betrachtet, schlug vor, ihn zu besuchen wäre doch was. Oh ja, und wie es das war. Meine bisweilen nervige und zehrende Projektarbeit für den CCM Abschluss, die den Januar und Februar souverän zur Sklavenzeit ummodelte, endete gerade, also war wieder Zeit für Freizeit. Ab ins Auto und hoch in den Norden (also die hessische Version davon)!

Jan kannte meine Pläne, unbedingt ein Rennrad mein Eigen nennen zu wollen. Nur wusste er auch, dass ich in etwa so viel Ahnung von Rennrädern habe wie sich ein sechs Monate alter Schäferhund fragt, weshalb er da eigentlich so rießen Pfoten an seinen Beinen hat. Nämlich gar keine.

Eigentlich ist das doch alles einfach, gaaaaaanz einfach! Jeder, der sich überlegt ein Rennrad zu kaufen, muss eigentlich nur wissen, ob er Shimano, SRAM oder Campa lieber mag, Kompakt- oder Heldenkurbel fahren will (oder besser gesagt kann), welche Rahmengröße aufgrund der Schritthöhe etc. notwendig ist, ob Slooping oder nicht, gestreckte oder eher entspannte Sitzposition, passendes Ritzelpaket – na, schon müde? – Pedale von Look, Time, Speedplay oder Shimano, Rahmenmaterial aus Carbon oder Aluminium, Bikecomputer von Garmin, Sigma, Polar etc. und einen Laufradsatz von Mavic, Fulcrum, Lighweight, sprich Systemlaufrad oder doch lieber ein von Hand eingespeichtes? Ihr merkt schon, das ist in etwa so entspannt wie einkaufen am 23. Dezember ohne Einkaufszettel. Zum einen muss man tausend Sachen beachten und zweitens sich in einem Chaos zurechtfinden, dass es so nicht alle Tage gibt.

Jan hatte eine echt tolle Idee, mich an das Thema heranzuführen. Wir machten eine Bike Shopping Hopping Tour durch Hamburg. Denn gegenüber stand ihm ja der Junge Schäferhund, dem alle eben aufgezählten Fragen echt unwichtig waren. Für mich  zählte nur das Design des Rahmens, und eigentlich wollte ich doch sowieso ein Orbea Orca kaufen, denn es sah einfach nur so unglaublich cool aus – RH60 ist die Buchstaben/Zahlen Kombination, die meine Träume mit einem Mal vernichten sollten, Spanier sind halt klein.

Wir besuchten VonHacht, MSP, Bianchi und zwei Bike Buden in Wurfweite zur Schanze. Und ich stellte schnell fest, im Rennradsport ist es wie in der Schuhindustrie. Große Menschen sind hier eher lästiges Übel, die mit einem Modell zwangsversorgt, bevor es einen bauerngleichen Aufstand mit brennendem Stroh und Mistgabeln vor den Firmenzentralen gibt.

Nach einem amüsanten Tag auf einem Stevens, Simplon und Cannondale, wusste ich genau, was ich nicht wollte. Und das ich die Radläden jetzt schon hasse. Warum konnten nur meine Ghost Buddies von KM Bikesport keine Rennradmarke führen und mir einfach eins verkaufen, fragte ich mich selbstbemitleidend.

Als äußerst problematisch stellte sich folgende Widersprüchlichkeit heraus. Fix und fertig gebaute Bikes wie das CAAD10 von Cannondale oder das Aspin von Stevens gibt es in großen Rahmengrößen, die Komponenten sind allesamt hochwertig, ABER, über hohe Systemgewichtfreigaben Stolpern die Hersteller, genauso über passende Sattelstützen. Warum verbaut man bei einem 64er Rahmen eine 350mm Sattelstüze? Weshalb wird der billigste Schrott aus Frankreich, die Aksiums, an diese Räder geklatscht?

Heute, mit etwas Erfahrung, kann ich ganz klar sagen, dass das Konzept fertiger Bikes für große/schwere Fahrer aus Sicht eines Sadisten zu Ende gedacht wurde. Denn wir bekommen suggeriert, fertige Bikes zu kaufen, um dann doch im Kleingedruckten den Hinweis auf fehlende Gewährleistung bei überschreiten dieser und jener Grenzen in Kauf zu nehmen. Vorbau, Lenker, Sattelstütze (vor allem wenn nicht tief genug in den Rahmen eingesteckt) und Laufräder sind die Achillesferse jedes Rades. Die Bergflöhe suchen hier nach leichter, aerodynamischer, cooler. Wir suchen nach Sicherheit und Stabilität. 

Diesem Umstand geschuldet war es, dass ich großartige Umbauten vorgeschlagen bekam. Laufräder, Vorbau usw. weg, wir schrieben Ihnen auch 200,-€ für die Teile gut, schlagen aber gleichzeitig 1.200,-€ für die neuen Teile drauf. Wow, was für ein unschlagbares Angebot, dachte ich. Dann bekomme ich so ein Standard CAAD10 mit 10-Fach Ultegra (wir schrieben das Jahr 2014) und Großumbau für 3.500,-€.

Damit war das Thema durch. Jan und ich betranken uns zur Feier des Tages über abgezockte Radhändler am Abend auf der Schanze, ohne ein Rennrad.

Zurück in Hessen sollte das Projekt aber nicht daran sterben, das ich in den Augen der Radindustrie der Planet Mars war – bekannt, aber uninteressant, da zu weit entfernt 😉

Vorletzter Versuch, 2-Rad Stadler Mannheim (oder besser gesagt Monnem, wie mir die Frau am Telefon sagte). Ich hätte es schon vorher wissen sollen. Mir wurde versprochen, man rufe mich zurück, mit einem Vorschlag für ein passendes Rad, nachdem ich den Kauf eines Pinarello Dogma Rahmen für knapp 4.000,-€ im super duper Angebot ablehnte. Hätte ich darauf gewartet, wäre ich vor dem Telefon verhungert, verdurstet oder einfach nich nie Rennrad gefahren, denn auch knapp vier Jahre später hat es bis heute nicht geklingelt.

Durch einen unglaublichen Zufall, ich laß einen Artikel über Nico Roßberg in einer Sportzeitschrift, wurde ich auf den kleinen (und feinen – fein sollte ich allerdings erst später realisieren) Hersteller Storck aufmerksam. Nun, irgendwie assoziierte ich damit eher Wehrters Original oder Riesen anstelle von Rädern, aber okay. Ich rief also in Idstein an, und ab da wendete sich das Blatt.

Ein leicht knurriger aber sehr seriös und kompetent wirkender Mitarbeiter am anderen Ende. Nachdem ich ihm mein Leid, meine Eckdaten, die Lebensgeschichte meines Hamsters (natürlich nicht letzteres 😉 und meinen Wunsch auf ein passendes Rennrad in epischer Breite erläutert hatte, herrschte kurz Stille. Kommen Sie bitte am Samstag vorbei, ich muss mir das anschauen.

Paff, das war also seine Antwort. Kein „Ja, es ist immer schwer mit großen Leuten…“ „Warum fahren Sie eigentlich Rennrad, Basketball wäre doch viel besser?“ „Würden Sie 90kg wiegen, wäre das deutlich einfacher…“ Bis Samstag, 10 Uhr, in Ordnung. Ciao. Ich war gespannt, was mich dort erwartete.

Frohen Mutes ins Auto, Geld dabei (Dankeschön, lieber Opa, der meinen Gesundheitstrip bereitwillig finanzierte, in der Abnehmphase durch mehrfache Generalüberholung meines Kleiderschranks und nun im Radsport. Ich hätte diesbezüglich Rapha bitten sollen, mir ein Team Opa Trikot herzustellen.) und 90km nach Idstein. Bei Storck in die Firmenzentrale vorbeizuschauen hat in etwa den Charakter, ein Biotechnologieunternehmen zu besuchen. Überall Glas, Beton, Stahl und Aluminum. Der Inhaber macht offenbar keine halben Sachen, und der Architekt hat hier ein Meisterstück abgeliefert.

„Sie müssen Herr Höfle sein?“ sagte die Stimme im Eingangsbereich. Mein Name ist Helmut, Benjamin. Sie sagten ja bereits sie sind groß, aber so…. Sie werden wohl der größte Kunde, den ich jemals ein Rad verkauft habe. Es sollte so werden.

Er klapperte nicht die obligatorische Liste mit mir ab (siehe oben), sondern sagte so Sachen wie: „Der Rahmen hat nicht genug Reserveren.“, „Sie sollten Shimano nehmen, da am weitesten verbreitet und robuster – die Nicht-Schrauber-Marke also :D“, „Carbonlenker, -vorbei und -sattelstütze ersetze ich Ihnen durch Alu, dafür bekommen Sie eine Gutschrift.“ Die Frage aller Fragen war mit der ersten 11-Fach Generation allerdings: „Elektrisch oder mechanisch schalten?“ Kaufen Sie lieber die hochwertigere mechanische Gruppe, du stehst ganz am Anfang und solltest das Schalten richtig lernen. Beim Rahmen gab es ein wenig Rumgezackere, denn Helmut wollte mir gerne den 66er Alurahmen mitgeben, währenddessen ich in das Scenero G2 hoffnungslos verliebt war. Da fährst du dann aber eine heftige Überhöhung, und brauchst eine andere Sattelstütze, die führt unser Zulieferer nicht. Besorg‘ dir diese bitte, dein Rahmen dankt es dir! „Yes Sir :-)“

Ich hatte endlich einen Ansprechpartner, der mir offen und ehrlich sagte, wie er die Dinge sieht. Natürlich, Storck ist preislich nicht Canyon, obwohl mittlerweile durch die Comp Modelle auch die die Angebotspalette deutlich in preisgünstigere Regionen (ich verwende bewusst nicht das Adjektiv preiswert, denn auch das Scenero ist bis heute jeden Cent wert) erweitert wurde. Aber habt ihr mal probiert den Carbon gegen Alu Deal mit Canyon zu regeln? So hatte ich nun an diesem Samstag ein Fahrrad gekauft, ein Scenero G2 mit DuraAce 9000 Gruppe, komplett auf meine Bedürfnisse abgestimmt, für nur einen Hauch mehr als die WestCoastCustoms Version des Cannondales aus Hamburg. Der aufmerksame Leser fragt sich nun, welche Laufradsätze es geworden sind. Helmut machte sich einige Mühe und bekam schließlich von Mavic das Feedback, die Cosmic Elite S sind das Haltbarste, dass sie im Angebot haben, der damalige Partner von Storck. Das sollte allerdings auch nur eine Krücke werden, klick hier.

10 Tage später holte ich das Rad in Idstein ab. Eine Stunde „wie lerne ich mit Klickies zu fahren ohne umzufallen wie ein Idiot“ inklusive. 😀

Das Scenero fuhr ich bis 2018 mit wenigen Änderungen, denn die LRS wurden dann doch ausgetauscht und die Lenker Vorbei Einheit durch eine mit größeren Rohren ersetzt, da sich diese besser greifen lassen..

Mein Fazit zum Radkauf für große Menschen

  • passender und haltbarer Rahmen ist das A und O, Gewichtsfreigabe des Herstellers ist ein gutes Indiz…
  • Achtet auf die vier kritischen Segmente, bestehend aus Vorbau, Lenker, Sattelstütze und Laufräder
  • Vorteil kleiner Hersteller: Rad auf Maß
  • Vorteil Versender: Gute Refinanzierbarkeit zu tauschender Parts durch Wiederverkauf

P.S. Ich habe in der Rubrik Bikes das Material aufgelistet, mit dem ich fahre. Immer mit einer kurzen Beschreibung, warum ich diese Komponente kaufte. Wen es interessiert, Klick einfach mal rein.

P.P.S.: Aus aktuellem Anlass muss ich leider etwas Kritik an Storck üben, denn die Modellpalette ist nach wie vor sehr attraktiv, allerdings werden die Rahmen immer kleiner. Dieser Trend hat dazu geführt, dass ich der Marke nicht mehr treu bin. Meine Räder sind mittlerweile alle verkauft… Schade!